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Kurdistan Diskussionsforum 08. Sep 2008, 15:05 *
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Autor Thema: Spielt nicht mit dem Feuer!  (Gelesen 3055 mal)
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roj_evindar
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« am: 17. Feb 2007, 22:28 »

Stamm der Muzuriyian greift Yeziden an

Mosul-Es ist nun bekannt gegeben, dass die Vorfälle in der Region Shêxan durch einen Ehestreit einer moslemischen Frau mit ihrem Ehemann verursacht worden sind. Die Ehefrau wurde enthauptet, nachdem die Stammesführer das Todesurteil beschlossen hatten.

Zwei yezidische Jugendliche, die in der Kaserne von Shêxan arbeiteten, fanden auf dem Weg zur Kaserne eine moslemische Frau, die vor ihrem Mann flüchtete. Zum Schutze der Frau nahmen sie sie mit zur Kaserne. Die Hilfsbereitschaft der zwei jungen Männer löste eine Welle der Gewalt aus: die jungen Frau wurden von ihrem Stamm zur Hinrichtung frei gegeben, als man sie wieder nach Hause schickte. Darüber hinaus beschloss der Stamm, die heiligen Stätte der „Shêxan“ und weitere Häuser der yezidischen Gemeinschaft niederzubrennen.

 
Den jüngsten Meldungen zu Folge sind die Vorfälle in Shêxan, das zum Bezirk Mosul gehört, dadurch ausgelöst worden, nachdem eine von ihrem Ehemann unterdrückte moslemische Frau von Zuhause abgehauen und von zwei yezidischen Jugendlichen aufgenommen wurde. Die jungen Männer ließen sie in ihrem Wagen einsteigen und fuhren sie zu den Sicherheitskräften von Shêxan, wo sie auch in den Kasernen arbeiteten. Der Vorfall ereignete sich wie folgt: ``Eine Frau, deren Namen noch nicht bekanntgegeben ist, flüchtete vor 2 Tagen von ihrer Familie, nachdem sie die Unterdrückung von ihrem Ehemann nicht mehr ertragen konnte. Auf ihrem Fluchtweg stellt sie sich vor einem Wagen, in der zwei yezidische Jugendliche saßen, die sich ihrer Arbeit in einer Kaserne bei Shêxan begaben. Zum Schutze der Frau nahmen ließen sie die Frau einsteigen und übergaben sie den Sicherheitskräften. Als die Familie der Frau von ihrem Aufenthaltsort erfuhr, bat sie um Übergabe ihrer Frau. Als die Sicherheitskräfte die Klagen der Frau protokollierten, kamen sie letztendlich den Forderungen der Familie nach“

Die Ehefrau wurde hingerichtet

Nachdem die Frau wieder ihrer Familie übergeben wurde, beschlossen die Oberhäupter die Enthauptung der Ehefrau, die auch vollzogen wurde. Es ist nun auch bekannt geworden, dass die Oberhäupter des Stammes „Muzirî“ einen zweiten Beschluss gefasst hatten: die Hinrichtung der beiden yezidischen Jugendlichen, die der Frau ihre Hilfe angeboten hatten. Der Stamm verlangte den Bezirksleiter von Shexan um den Kopf der beiden jungen Männer. Doch der dieser lehnte die Forderungen der Stammesführer ab, weil die Frau zu Protokoll gab, dass die jungen Männer mit der Sache nichts zu tun hatten. Daraufhin bekam der Bezirkleiter vom Stamm ernsthafte Mordandrohungen.

Bezirksleiter flüchtet

Nachdem der ganze Stamm sich vor dem Bezirksgebäude angesammelt hatte, flüchtete der Bezirksleiter Nûman, dessen Nachname nicht bekannt gegeben wird, mit den beiden yezidischen Jugendlichen zum Prateibüro der kurdischen demokratischen Partei KDP (Şaxa 20'emîn a Partiya Demokrata Kurdistan PDK). Die Gruppe verfolgten sie bis zum Partebüro; doch als sie von den Sicherheitskräften aufgehalten wurde, um das Haus zu bestürmen, begab sich die Mencshenmenge zum Haus des Oberhauptes der yezidischen Religionsgemeinschaft  Mîr Tahsin Beg. Augenzeugen berichten wie folgt: „Als die aufgebrachte Horde auch hier von den Sicherheistkräften aufgehalten wurde, das Haus „Shêxanê 3“ zu bestürmen, zündeten sie die Autos von Mîr Tahsîn Beg an. Dann begab sich die Menschenmenge zum Kulturzentrum von Lalish (Navenda Çand û Hunerê ya Laleşê) und brannten auch das Gebäude nieder.“
 Derzeit wurden hunderte von Peshmerge aus Duhok und Akre Richtung Shêxan geschickt.

Der yezidische Oberhaupt Mîr Tahsîn Beg gab der Redaktion von Azadiya Welt bekannt, dass er die Yeziden daran gehindert hat, auf diese Überfälle mit Gegengewalt zu reagieren. Tahsin Beg sagte wie folgt:“ In jeder Gesellschaft gibt es dumme und böse Menschen. Mag sein, dass auch die Yeziden Schlimmes getan haben, aber wir müssen das Problem mit einem Dialog begraben. Wir werden auf die Gesetze warten, die eine Entscheidung treffen“. Er gab weiterhin bekannt, er werde niemals auf der Seite von Provokationen und Feindschaften stehen.


Yezidische Häuser wurden gebrannt

Anschließend brannte die bewaffnete Gruppe das heilige Grabmal von Shehid Hüseyn Bavê Shêx nieder. Doch damit konnte die Horde ihren Hass nicht stillen und zündete auch die Häuser von den beiden Jugendlichen an, die der geflüchteten Frau geholfen haben. Da die Häuser zuvor evakuiert waren, kam es dabei zu keine Menschenschäden. Nach dieser Tat führten die Angreifer ihren Hass fort und begaben sich zum Marktplatz von Shêxan. Dort brannten sie  drei Läden nieder, die yezidischen Bürgern angehörten.

Der Zuständige des KDP-Büros (Şaxa 20'em a PDK'ê) von Shêxan Ferîq Salih bestätigte diesen Vorfall und gab bekannt, der dass der Ministerpräsident der kurdischen Regionalregierung KRG Nêçîrvan Barzanî die Region zur Konfliktbeilegung besuchen wird. Die Aufruhr hat sich mittlerweile zurückgebildet und die Region ist von den Sicherheitskräften abgeriegelt. Es wurde eine Ein- und Ausgangsperre für Shêxan verhängt. 


Anmerkung:
-   Übersetzung vom Kurdmania-Team, Originaltext in kurdischer Sprache wurde von azadiyawelat.com entnommen; Quelle: http://azadiyawelat.com/modules.php?name=News&file=article&sid=1967arget=
-   Der Stamm Mizurî gehört zu einem der islamisch fundamelistischen Stämme Kurdistans, der die yezidische Minderheit um Lalish heimsucht. Die yezidische Gemeinschaft wurde mehrmals zum Ziel fanatischer Übergriffe, die von diesem Stamm ausgegangen sind. Es ist auch bekannt, dass dieser Stamm die Yeziden aus ihren Dörfern vertrieben haben und die yezdischen Dörfer heute noch besiedeln.

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« Antworten #1 am: 17. Feb 2007, 22:35 »

Anläßlich dieser jüngsten Ereignisse in der Region "Shexan" ist für Montag, 19.02.2007 eine Demonstration in Bielefeld geplant.

lg
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« Antworten #2 am: 17. Feb 2007, 22:44 »

Einfach nur beschämend, dass heute noch sowas gibt! Leider gibt es noch zu viele Dummen wie diese "Muziris", die nichts dazu lernen. Hoffe, dass diese Dummen bestraft werden und es bereuen... Und diese Fanatiker müssen allgemein bekämpft werden, damit unsere Menschen, egal welcher Religion, friedlich miteinander koexistieren können.
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Ich stimme mit der Mathematik nicht überein. Ich meine, daß die Summe von Nullen eine gefährliche Zahl ist.
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« Antworten #3 am: 17. Feb 2007, 23:10 »

absolut mittelalterlich und eine schande !

- wie kann es sein, daß die behörden nicht mit allen mitteln ihre autorität durchsetzt ?
- wie kann es sein, dass die behören, diese frau einfach ausliefern, obwohl bekannt sein dürfte was mit ihr passieren wird ?
- wie kann es sein, dass irgend jemand "todesurteile" fällen kann, der kein richter ist ?
- wie kann es sein, dass nicht sicherheitskräfte UMGEHEND in eine solche region verschoben werden, wenn eh bekannt ist, dass dieser stamm stets bambule macht ?
- wie kann es sein, dass von den behörden yezidischen heiligtümer und siedlungen nicht ausreichend schutz geboten wird, wenn eh bekannt ist, dass gewaltsame übergriffe auf der tagesordnung stehen ?

hoffentlich werden alle verantwortlichen eingesammelt und entsprechend zur verantwortung gezogen. am besten mit allen zur verfügung stehen mitteln. solche erbärmliche hinterwäldlerei ist nicht tolerierbar für ein kurdistan, dass sich gerne auf dem weg zu einem modernen staat sieht.
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Ciwanro Kani
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« Antworten #4 am: 17. Feb 2007, 23:39 »



Musul ist eine kosmopolitische Stadt im Irak. Dementsprechend leben Menschen mit verschiedener Herkunft, Religion und Sprachen. Musul könnte ein Beispiel für friedliches Zusammenleben im nahen Osten sein.
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« Antworten #5 am: 18. Feb 2007, 10:54 »


Schließe mich Kurdistan und Sêkevir an  Verlegen


Doch der dieser lehnte die Forderungen der Stammesführer ab, weil die Frau zu Protokoll gab, dass die jungen Männer mit der Sache nichts zu tun hatten.

Hab ich das richtig verstanden, dass der Stammesführer -hätten sie etwas damit zu tun gehabt- ihnen die beiden jungen Männer ausgeliefert hätte?
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fijitsuad
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« Antworten #6 am: 18. Feb 2007, 11:06 »

wieso siedelt die behörde solche reationären und schädlichen stämme nicht um? sie schaden anscheinend ihren andersgläubigen m itmenschen.

es kann ja wohl nicht sein, dass eine aufgebrachte horde die heiligtümer der yeziden und sogar ihr leib und leben bedroht und angreift und die behörden so passiv reagieren.  Ärgerlich

Zitat
Der yezidische Oberhaupt Mîr Tahsîn Beg gab der Redaktion von Azadiya Welt bekannt, dass er die Yeziden daran gehindert hat, auf diese Überfälle mit Gegengewalt zu reagieren.
Tahsin Beg sagte wie folgt:“ In jeder Gesellschaft gibt es dumme und böse Menschen. Mag sein, dass auch die Yeziden Schlimmes getan haben, aber wir müssen das Problem mit einem Dialog begraben.

seine gemäßigte und vernünftige reaktion finde ich lobenswert.
was aber meint er mit dem satz: "Mag sein, dass auch die Yeziden Schlimmes getan haben" ? meines wissen haben yeziden bislang keine nennenswerten angriffe auf moslemische kurden gestartet oder ihre moscheen etc. niedergebrannt. oder ist da eine informationslücke? weiß jemand mehr darüber?

wüsste zu gerne, ob die täter, welche die frau enthaupteten,  auch tatsächlich zu rechenschaft gezogen und verurteilt werden  Zwinkernd
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roj_evindar
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« Antworten #7 am: 18. Feb 2007, 11:27 »

@Rewsen
Nein, die Stammesführer wollten mit der aufgebrachten Horde den Kopf der beiden Männer von dem dort zustädnigen Bezirksleiter namens Nûman. Er lehnte dies jedoch ab, weil die beiden Männer der Frau doch nur geholfen haben. Ob er sie ihnen ausgeliefert hätte, falls die beiden Männer was damit zu tun hätten, kann ich nicht einschätzen. Tatsache ist, dass die Sicherheitskräfte lange untätig blieben. Die Yeziden haben immer wieder die Drohung erhalten, sie werden bald die 73ste "Ferman" erhalten!
« Letzte Änderung: 18. Feb 2007, 13:03 von roj_evindar » Gespeichert

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« Antworten #8 am: 18. Feb 2007, 13:14 »

Zitat
"Mag sein, dass auch die Yeziden Schlimmes getan haben"

wie ich es aus dem Originaltext interpretiere, ist der Satz dahingehend gemeint, dass es auch bei den Yeziden "schwarze Schafe" gibt. Ich denke, seine Aussage ist nicht unbedingt auf diesen Vorfall bezogen. Er wollte damit nur zum Ausdruck bringen, dass man die Beziehungen zwischen den yezidischen und sunnitischen Kurden nicht in Frage stellen sollte.



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aram
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« Antworten #9 am: 18. Feb 2007, 14:18 »

Das zögerliche Eingreifen der Behörden ist doch klar und verständlich! Auf welche Seite soll man sich den Schlagen? Vielleicht die Oberhäupter der Muziri verhaften und zur Verantwortung ziehen? Dann war der Bezirk Shexan die längste Zeit kurdisch.
In ein paar Monaten finden Wahlen statt die über die Zukunft der Region entscheiden.  Es wird nur einmal gewählt!
Ob wir es wollen oder nicht, wir müssen noch eine weile mit diesen Stämmen leben.
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Gebannt...


« Antworten #10 am: 18. Feb 2007, 14:35 »

Von dem Fall habe ich schon gehört, und die anti- yezidische Haltung innerhalb der muslimischen Gesellschaft ist kaum zu übersehen...
Hätten die Mizirîs sich getraut, den beiden Jugendlichen zu drohen, wenn sie keine Yeziden wären ?
Gewiss nicht !

Yeziden werden seit eh und je als Freiwild betrachtet (siehe Entführung ihrer Töchter), denn die Stämme fürchten keine Yeziden...
Erst Mullah Mustafa Barzanî erliess Anfang der 70er Jahre ein Gesetz, welches die Entführung von yezidischen, christlichen (und anderen gesellschaftlich schwächeren Gruppen) Frauen unter Strafe stellte

Mullah Mustafa war es auch, der die Stammesstrukturen in SÜdkurdistan aufbrechen wollte, das hätte auch geklappt, wenn er keine Ausnahmen gemacht hätte (bei seinem Stamm zum Beispiel)...
Solche "Aktionen" waren der Grund das viele Südkurden zu Cash's wurden

Und im MOment fürchtet Mesud Barzanî dasselbe, jetzt so kurz vor den Wahlen (wie es bereits Aram erklärte) 

Mesud BArzanî meinte mal, das man diese Aghas nicht auf rustikale Art und Weise elliminieren kann
Viel mehr denkt er an das Erstarken einer kurdischen Mittelschicht, das würde zur Folge haben das sich die Menschen automatisch von den Aghas abwenden...

Trotzdem sollte man auch irgendwo eine Grenze ziehen, der Agha der Mizirîs sollte lieber nicht zu vorlaut werden, irgendwann kommen auch andere Zeiten
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